Mittwoch, 14. Juli 2010

Ein stiller Sieg der anatolischen Vereine

Ich bin Bursaspor-Fan.
Also weder ein Fan von den bekannten drei Istanbuler Klubs, noch ein Fan von Trabzonspor. Diese vier Klubs haben ja bekanntlich die meisten Fans in der Türkei. In dem Sinne bin ich, als waschechter Fan eines anatolischen Vereins, mehr oder weniger ein Exot in der Türkei. Jedesmal verfolge ich die Reaktionen mit Bewunderung, wenn mein Gegenüber auf die Frage für welchen Verein ich doch wäre, als Antwort Bursaspor bekommt. Bis vor einem Jahr (seit neuestem wird mir unterstellt, ich sei ja nur Bursaspor-Fan weil sie Meister geworden sind) haben meine neuen Bekanntschaft es mir nicht geglaubt, dass ich Bursaspor-Fan bin. Meist kam dann die Zusatzfrage, für welchen Verein ich denn wirklich sei, ich hätte doch bestimmt einen zweiten Verein aus Istanbul und wenn nicht, würde ich doch wenigstens für einen Istanbuler Klub Sympathien pflegen. Kann man denn zwei Frauen gleichzeitig lieben !? Ich kann es auf jeden Fall nicht ! Aber egal das ist nicht das Thema.

Nicht nur das man als Fan eines anatolischen Vereins von dem Großteil der türkischen Bevölkerung für nicht ganz voll genommen wird; man hat es grundsätzlich nicht ganz leicht als ein anatolischer Fan.
Wie gesagt...ich bin Bursaspor Fan.
Nur mal als Beispiel: Es ist der 5. Spieltag. Bursaspor spielt zuhause gegen Sivasaspor. Nun gibt es für mich als Bursaspor-Fan nur eine Möglichkeit um mir das Spiel live anzusehen. Nämlich im Stadion. Vorausgesetzt natürlich, dass ich die ganzen Kosten, die so ein Stadionbesuch mit sich bringt, tragen kann. Mal ganz abgesehen davon, ob ich überhaupt ein Ticket für das Spiel bekomme. Hier sollte erwähnt werden, dass fast alle Stadien der anatolischen Klubs alt, marode und meist nur ein Fassungsvermögen für max. 20.000 Zuschauern haben. Die gleichen Voraussetzungen gelten in meinem Beispiel natürlich auch für den Fan von Sivasspor, nur mit dem kleinen Unterschied, dass das Spiel (durch die Anreise von Sivas nach Bursa) für ihn kostenaufwendiger sein würde.
Für alle die, aus welchem Grund auch immer, das Spiel nicht live im Stadion verfolgen können, gilt folgendes: Radio anmachen, mitfiebern und danach auf den Sonntagabend warten, damit der Staatssender TRT in einer dreimütigen Zusammenfassung, das wirklich allernötigste von dem Spiel zeigt. Nicht zu vergessen, dass diese Zusammenfassungen immer im Anschluß der stundenlangen Berichterstattungen über die Spiele der Istanbuler Klubs erfolgen. Denn bis dato werden nur die Spiele der sogenannten "vier Großen" live gezeigt.

Mein Beispiel ist anwendbar auf alle Klubs der anatolischen Vereine. Spielt der Klub nicht gegen eines der vier Mannschaften, so ist man dazu verdammt, bis spät in die Nacht von Sonntag auf Montag zu warten, um von seiner geliebten Mannschaft bewegte Bilder zu sehen.
Ohne es zu dramatisieren, aber es ist wahrlich nicht einfach Fan von einem anatolischen Verein zu sein. Nicht wesentlich einfacher ist es unter diesen Gegebenheiten Fans für die anatolischen Mannschaften zu gewinnen. Wie soll denn der kleine fussballbegeisterte Junge aus Manisa die Liebe zu seinem Heimatverein entdecken, wenn im TV lediglich über die Klubs aus Istanbul gesendet wird !?!

Dieser medialen Ungerechtigkeit wurde nun ein Ende gesetzt. Zumindest was die Live-Übertragungen der Spiele in der Süperlig angeht.
In der Verbandssitzung vom 12. Juli wurde beschloßen, dass zukünftig alle Spiele der türkischen Süperlig vom Bezahlsender LigTV live übertragen werden. Verglichen mit den anderen Ligen in Europa, in denen teilweise schon seit Jahrzenten alle Spiele der jeweiligen höchsten Liga live übertragen werden, war dieser Beschluß schon längst überfällig.

Diese neue Festlegung kann gut und gerne als ein Sieg der anatolischen Vereine und seinen Fans angesehen werden. Nicht nur das die anatolischen Vereine ab der kommenden Saison mehr unter dem Rampenlicht stehen werden und somit vermehrt Werbung für ihren Klub machen können, auch werden diese Klubs finanzielle Vorteile aus diesem neuen Beschluß ziehen können. Man denke da nur an die TV- und Werbegelder die sich durch die nun ständigen Live-Übertragungen logischerweise erhöhen werden.

Speziell auf die Türkei zugeschnitten, ist dieser Beschluß letztendlich ein großer Schritt. Im Gesamtpaket gesehen jedoch ein kleiner Schritt vom türkischen Fussballverband. Jedoch ein wichtiger und absolut in die richtige Richtung weisender Schritt. Und auch eine Bestätigung dafür, dass der neue Verband unter dem Präsident Mahmut Özgener es mit den Bemühungen für eine gerechtere und ausgeglichener Liga ernst meint.

Nichtsdestotrotz wird dieser Beschluß (leider) nichts an den Berichterstattungen der etlichen Fernsehsender und (Sport-)Zeitungen ändern. Das Hauptaugenmerk der Medien wird auch in Zukunft weiterhin auf den drei Istanbuler Klubs liegen. Schließlich haben diese drei Klubs die meisten Fans in der Türkei. Wie sonst sollte es auch bei so einer Fokussierung auf die Istanbuler Klubs seitens der Medien auch sein !?
Was zählt sind die Istanbuler Klubs. Die Interessen der anatolischen Vereine interessieren kaum einen. Mit Nachrichten über Konyaspor lassen sich weder hohe Einschaltquoten noch viele Zeitungen verkaufen.
Da kann der Verband noch so einiges festlegen...die anatolischen Vereine müssen sich wohl oder übel mit der stiefmütterlichen Behandlung der Medien abfinden.
Oder kann es sonst eine Erklärung dafür geben, warum dieser aktuelle TFF-Beschluß von den Medien kaum beachtet wurde ?!?

2 Kommentare:

  1. Bist du nicht in Deutschland? Von hier aus finde ich es sogar aufwändig Galatasaray, dessen Fan ich bin, zu verfolgen. Bursaspor? Viel Erfolg...

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  2. Ja, wohne aktuell in Deutschland, was die ganze Situation nicht einfacher macht, aber immerhin kann ich (theoretisch) dieses Jahr das erste Mal in meinem Leben alle Saisonspiele von Bursaspor live sehen..

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